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Stadtkirche
Tuttlingen

Stadtkirche Tuttlingen

Stadtkirche

In der malerischen Stadt Tuttlingen in Baden-Württemberg, Deutschland, steht die Stadtkirche Tuttlingen als Zeugnis architektonischer Entwicklung und historischer Widerstandskraft. Lokal als Stadtkirche bekannt, ist diese protestantische Kirche eine faszinierende Mischung aus verschiedenen Stilen und Epochen und somit ein Muss für Geschichts-, Architektur- und Kunstliebhaber.

Die Geschichte der Stadtkirche Tuttlingen

Die Geschichte der Stadtkirche Tuttlingen beginnt mit ihrer Vorgängerkirche, der Peter-und-Paul-Kirche, die 1803 bei einem Stadtbrand zerstört wurde. Nach dieser Katastrophe wurde eine provisorische Holzkirche errichtet, die jedoch von einem Sturm umgeworfen wurde. Der Bau der heutigen Kirche begann 1815 unter der Leitung von Carl Christian Nieffer, einem Schüler des bekannten Stuttgarter Architekten Nikolaus Friedrich von Thouret. Die Kirche wurde am 31. Oktober 1817 eingeweiht, was mit dem 300. Jahrestag von Martin Luthers Reformation zusammenfiel.

Ursprünglich im neoklassizistischen Stil eines griechischen Tempels entworfen, erlebte die Stadtkirche Tuttlingen bedeutende Veränderungen, als die Stadt während der industriellen Revolution wuchs. 1868 wurde der Kirchturm auf 68 Meter erhöht, sodass er das höchste Bauwerk der Umgebung blieb und sogar die geplante St. Gallus-Kirche überragte. Bis 1903 wurde die Kirche im Jugendstil umfassend umgestaltet, um den 100. Jahrestag des Stadtbrands zu markieren. Diese Renovierung beinhaltete die Hinzufügung eines großen Giebels an der Nordfassade zur Bahnhofstraße hin.

In den 1960er Jahren drohte der Kirche die Entweihung und der Abriss, doch eine umfassende Restaurierung zwischen 1974 und 1978 bewahrte ihre Pracht. Der lokale Bildhauer Roland Martin gestaltete Altar, Kanzel und Taufbecken neu. Der nördliche Teil der Kirche wurde umgestaltet, um ein Foyer und Nebenräume zu schaffen, wodurch die Hauptkirche verkleinert wurde. Die Orgel wurde versetzt, die obere Empore entfernt und neue Sitzgelegenheiten sowie eine Fußbodenheizung installiert.

Architektonische Wunder

Die Stadtkirche Tuttlingen ist eine Hallenkirche, ein Stil, der durch sein geräumiges und offenes Inneres gekennzeichnet ist. Nieffers neoklassizistisches Design erinnert an Karl Friedrich Schinkels Neue Wache in Berlin. Das Dach weist die charakteristische Tuttlinger Kuppel auf, ein Markenzeichen der lokalen Architektur. Die Kirche hat, symbolisch für die zwölf Tore Jerusalems, drei Eingänge an jeder ihrer vier Seiten.

Die Turmerhöhung von 1868 wurde im neuromanischen Stil ausgeführt. Die Jugendstil-Renovierung von 1903 brachte einen auffälligen Giebel an der Nordfassade. Dieser Giebel ist mit vier Pilastern verziert, die durch Rundbögen verbunden sind und von Kapitellen mit Statuen der Evangelisten Matthäus (mit einer menschlichen Figur) und Johannes (mit einem Adler) sowie der ursprünglichen Kirchenpatrone Petrus (mit Schlüsseln) und Paulus (mit einem Schwert) gekrönt werden. Eine Darstellung Christi ziert das dreieckige Giebelfeld. Diese Statuen wurden von den Stuttgarter Bildhauern Lindenberger und Rühle geschaffen, wobei die Figuren von Paulus und Johannes vom Tuttlinger Bildhauer Christian Teufel stammen.

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Innenraumprunk

Im Inneren der Stadtkirche Tuttlingen werden Besucher von Statuen Christi, Petrus, Matthäus, Johannes und Paulus empfangen, die denen an der Fassade ähneln. 1893 malte der Künstler Rudolf Yelin der Ältere Szenen an die Kanzelwand, darunter Die Agonie im Garten und Die Himmelfahrt Christi, sowie friesenartige Darstellungen von Jesus als Freund der Kinder und Das Tragen des Kreuzes. Die Altarwand, gestaltet vom Reutlinger Künstler Fritz Hummel, zeigt gemalte Renaissance-Architektur. Die Renovierungen von Architekt Heinrich Dolmetsch im Jahr 1903 führten geschnitzte Holzdekorationen an Tür- und Fensterrahmen, Kirchenbänken, Emporengeländern, der Kanzel und dem neuen Orgelgehäuse ein.

Die prächtige Orgel

Die Orgel der Kirche, 1978 von der Orgelbaufirma Peter Mönch aus Überlingen erbaut, befindet sich im historischen Gehäuse von 1903. Sie wurde 2006 um ein Röhrenglockenspiel und elektrische Setzerkombinationen erweitert. Die Orgel verfügt über 46 Register und 2.980 Pfeifen, mit mechanischer Spieltraktur und elektrischer Registertraktur. Sie umfasst Koppeln und Nebenregister, wie ein Röhrenglockenspiel, das vom dritten Manual und dem Pedal aus spielbar ist, sowie ein elektronisches Setzersystem.

Ein kulturelles Zentrum

Die Stadtkirche Tuttlingen ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein kultureller Leuchtturm in der Gemeinschaft. Sie veranstaltet zahlreiche Orgel- und Oratorienkonzerte, die das kulturelle Leben Tuttlingens bereichern. Die Kantorei der Kirche und Kantor Helmut Michael Brand spielen eine zentrale Rolle bei diesen Veranstaltungen und ziehen Besucher aus nah und fern an.

Für die überwiegend protestantische Gemeinde Tuttlingens, die von einer überwiegend katholischen Region umgeben ist, dient die Stadtkirche Tuttlingen als starkes Symbol protestantischer Identität und Stolz. Ihre Mischung aus architektonischen Stilen, reicher Geschichte und lebendigen kulturellen Angeboten macht sie zu einem unverzichtbaren Ziel für Besucher dieser charmanten Stadt.

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